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Nîmes Die Stadt Nîmes ist als Hauptstadt des Départements Gard ca. 50 Kilometer landeinwärts am Übergang des südlichen Randes der Cevennen zur welligen Landschaft der Garrigue hin gelegen. Mit über 150.000 Einwohnern ist sie nach Montpellier die zweitgrößte Stadt der Region Languedoc-Roussilion. Die keltische Gründung "Nemausos" (Tempel, Stätte des Heiligtums) kam bereits in der Antike während der gallorömischen Periode zu Bedeutung und Blüte, wovon beindruckende Monumente wie etwa die Arena oder die Pont du Gard noch heute Zeugnis ablegen. Ungefähr um 120 v.Chr. herum liessen die im Umfeld des dortigen Quellenheigtums ansässigen Kelten ("Volques Arécomiques") die römischen Eroberer ohne jeden Widerstand auf ihr Gebiet, was in der Folge zu einer der bedeutendsten Städteentwicklung während der gallorömischen Periode im Süden des späteren Frankreichs führte. Unmittelbar an der Via Domitia gelegen kam Nemausos im 1. und 2. Jahrhundert zu Reichtum und Wohlstand, wie er selbst zur Hochphase des römischen Reiches spektakulär gewesen ist. Die Stadt beherbergte innerhalb ihrer 7 Kilometer langen steinernen Befestigungsanlage über 25.000 Einwohner. Die grosse Arena (über 20.000 Zuschauer), das Maison Carrée, der Tour Magne sind nur drei Monumente unter vielen, welche heute sehr eindrucksvoll die antike Geschichte der Stadt erzählen. Sehr früh noch während römischer Zeit wurde Nîmes Anfang des 5. Jahrhunderts Bischofssitz. Natürlich kamen auch hier zu Beginn des 6. Jahrhunderts die Westgoten vorbei, die es lange gegen die heranstürmenden Franken halten bzw. erst den Sarazenen im Jahr 725 preisgeben müssen. Diese wiederum halten die Stadt aufgrund ihrer starken Befestigung gegen den zerstörungswütigen Karl Martell, müssen sich aber nur zwei Jahrzehnte später Pippin dem Kurzen (Vater Karls d. Großen) geschlagen geben. Nach der fränkischen Zeit kam Nîmes - ähnlich wie Montpellier - zunächst unter die Lehensherrschaft der Könige von Aragon, bis die Stadt jedoch unter Ludwig IX. (siehe auch Kapitel "Pézenas") schon 1259 endgültig an die französische Krone fiel. Der zahlreiche Zuzug von Hugenotten im 16. Jahrhundert spaltet die Bevölkerung von Nîmes mehr oder weniger bis zum heutigen Tag. Zunächst gründen die Hugenotten u.a. eine protestantische Universität, jedoch kommt es nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685 durch Ludwig XIV.) während der Zeit der sogenannten "Reaktion" immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen im Rahmen derer beispielsweise die romanische Kathedrale "Saint Castor" aus dem 11. Jahrhundert mehrfach schwer beschädigt wird. - Anders als in Montpellier können sich die Protestanten in Nîmes halten. Während des 18. und 19. Jahrhundert (Manufaktur und Industrialisierung) entwickelt sich Nîmes zu einem bedeutenden Zentrum der Textilproduktion. Hier wurde der Jeansstoff (Serge de Nîmes) erfunden, welcher über Genua (aus "Gênes" wird im Englischen Verwursteln schliesslich "Jeans") nach Amerika kam und von dem deutschen Auswanderer Levi Strauss in San Francisco zu jenen nietenbesetzten Goldgräberhosen verarbeitet wurde, welche dann einen beispiellosen Siegeszug rund um den Globus antraten. Zum Ende des 2. Weltkrieges wurde Nîmes durch den "Maquis der Cevennen" (Résistance / der Begriff Maquis hat ursprünglich mit unwegsamem Gelände zu tun und wird im Kontext mit solchen Rückzugsgebieten häufig für Untergrundbewegungen, aber auch für Bandengruppen verwendet / z.B. benutzt auch die Fernsehserie Star Trek diesen Ausdruck) von der deutschen Besatzung befreit. Der Umstand sei hier zum Ende dieses Berichts erwähnt, da diesem Maquis auch mehrere deutsche Untergrundkämpfer angehörten, welche bei der Siegesfeier mit den Übrigen von der Stadt gefeiert wurden. Eine herausragende Persönlichkeit der Stadt Nîmes ist neben u.a. vielen Schriftstellern: Édouard Daladier (1884 - 1970), Politiker mit einer langen Karriere während der 3. und 4. Republik. Er war Anhänger der sozialistischen Bewegung innerhalb verschiedener Parteien vor und nach dem 2. Weltkrieg, deren Vorsitz er jeweils auch zeitweise bekleidete. Neben vielen weiteren Ämtern war er in kurzer Folge u.a. Premier-, Kriegs- und auch Außenminister am Vorabend und in der Frühphase des Krieges. Daladier schloss sich der britischen Appeasement-Politik an und liess sich - man kann es nicht anders ausdrücken - 1938 in München gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Chamberlain von Nazi-Deutschland und Hitler selbst gründlich Sand in die Augen streuen, was dessen wahre Absichten betraf. Auch im unmittelbaren Vorfeld des Krieges agierte er nicht sehr glücklich. Viel zu spät begannen Mobilmachung und Aufrüstung, die Zeichen des Hitler-Stalin-Paktes wurden nicht verstanden und eine Kette von Fehlentscheidungen zu Beginn des Krieges taten ein Übriges. Man muss Daladier allerdings zu Gute halten, dass sein Handeln von dem ehrlichen Bemühen zur Vermeidung des Krieges bestimmt war. ___________________________________________________________________________________________________ Ihr Besuch in Nîmes  Sie erreichen Nîmes über die A9 vorbei an Montpellier. Nehmen Sie als Ausfahrt und im folgenden immer die Richtung "Centre Ville" und dann auch "Arena", sobald solche Beschilderungen zu sehen sind. Parken Sie bitte im Umfeld der Arena (verschiedene Innenstadtparkplätze) und merken Sie sich den Ort. Hauptattraktion und Ihre erste Anlaufstelle ist dann natürlich auch die Arena. Es gibt ein gut gemachtes deutschsprachiges Kopfhörersystem, das Sie auf verschiedenen Stationen durch dieses großartige Monument der Antike führt. Sie erfahren auf diesem Wege gleichzeitig alles generell Wissenswerte über die antike Periode der Stadt und werden wahrscheinlich darüber staunen, welche Berühmtheiten ihrer Zeit beispielsweise die Gladiatoren gewesen sind, wenn sie in der Arena von Nîmes auftraten. Anschließend ist es am sinnvollsten, wenn sie sich zunächst die wunderbare Atmosphäre dieser Stadt, welche den Süden spür- und erlebbar repräsentiert ein wenig erlaufen (der Prospekt des örtlichen Verkehrsbüros beinhaltet einen Touristenplan mit den sehenswertesten Ecken (hier oder im "Bastelraum" herunterladen). Auf jeden Fall sollten Sie sich das "Maison Carrée" (19 v. Chr. erbaut) anschauen, bei welchem es sich um den einzigen noch vollständig erhaltenen Tempel des römischen Reiches handelt, was er wahrscheinlich dem Umstand seiner Weihung zu einer Kirche schon im 4. Jahrhundert zu verdanken hat. Zunächst den beiden früh verstorbenen Adoptivsöhnen des Augustus gewidmet, wurde der Tempel als Sakralbau später zum Vorbild für die neoklassische Madelaine in Paris und wird heute als Museum genutzt. Die moderne Kunstgalerie gegenüber, "Carrée d'Art" genannt, wurde von Norman Foster geschaffen, der auch das Viaduc de Millau und die Reichstagskuppel zu Berlin erbaut hat. Den wunderbaren "Jardin de la Fontaine" mit dem "Tempel der Diana", dem "Belvedere" und dem zur römischen Stadtbefestigung gehörenden "Tour Magne" sollten sie von der Stadt aus am besten fußläufig in Ihre Erkundung mit einbeziehen. Viel Freude auf den Spuren längst vergangener Zeiten an einem Ort mit sehr lebendiger Gegenwart! TIPP: Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt befindet sich die weltberümte Pont du Gard. Das Aquädukt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. in der Bauart einer 3-geschoßigen Arkadenbrücke überspannt den namengebenden Fluss Gardon als Teil einer ursprünglich ca. 50 Kilometer langen Anlage, welche die Stadt Nemausos, alias Nîmes, mit fließendem Wasser bis in die Haushalte hinein versorgte. Dies waren ingenieurtechnische Meisterleistungen in der Wasserbaukunst, wie sie vergleichbar erst eineinhalb Jahrtausende später mit dem Bau des "Canal du Midi" wieder erreicht werden sollten. Nehmen Sie für ihre Stippvisite aus dem Zentrum heraus die N86 Richtung Marguerittes und Remoulins; folgen Sie anschließend der Beschilderung. Es ist nicht weit. Seit ca. 2000 kostet die Besichtigung der Brücke und des Dokumentationszentrums, ja selbst der Parkplatz einiges an Eintritt, ist dafür aber auch aufwendig gemacht. Wir verstehen zwar die Notwendigkeit zur Deckung von Pflege und Unterhaltskosten, finden das aber letztlich - nicht nur bezogen auf die Pont du Gard - in Sachen Preisstruktur ziemlich schade, da die Summe der Eintritte für wirklich an Kultur interessierte Besucher wohl jede Urlaubskasse sprengen wird, wollte man sich alles anschauen. Weniger wäre da in der Sache mehr!

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